Laborarbeiten auslagern: Was kostet Outsourcing wirklich?
Der Partnerpreis wirkt auf den ersten Blick teuer, bis Du ihn mit Deinen echten Vollkosten vergleichst. So rechnest Du ehrlich aus, was Outsourcing wirklich kostet und welche Leistungen Deine ersten Kandidaten sind.

Es ist die erste Frage in fast jedem Gespräch über Outsourcing: „Was kostet mich das?" Die ehrliche Antwort lautet: Das hängt davon ab, womit Du vergleichst. Und genau an dieser Stelle passiert der teuerste Denkfehler der Branche.
Der Denkfehler: Partnerpreis gegen halbe Wahrheit
Ein Labor bekommt ein Angebot von einem Outsourcing-Partner. Sagen wir, eine monolithische Zirkonkrone zum festen Stückpreis. Der erste Reflex vieler Inhaber: „Das mache ich selbst doch billiger." Verglichen wird der Partnerpreis dann mit Material plus ein bisschen Lohn.
Aber diese Zahl gibt es in Wirklichkeit nicht. Deine eigene Fertigung kostet deutlich mehr, als auf dem Materialschein steht. Der Partnerpreis ist eine ehrliche Zahl, denn er enthält alles. Deine Eigenfertigung rechnet sich nur dann schön, wenn Du die Hälfte der Kosten weglässt.
Was Deine eigene Fertigung wirklich kostet
Wenn Du ehrlich rechnest, gehören alle diese Posten in den Preis jeder selbst gefertigten Arbeit:
Investition und Abschreibung: Fräsmaschine, Sinterofen, Scanner und Software kosten schnell einen sechsstelligen Betrag. Dieser Betrag verteilt sich auf jede einzelne Einheit, die Du fertigst.
Wartung, Service und Werkzeuge: Serviceverträge, Ersatzteile, Fräser und Kalibrierungen laufen weiter, ob die Maschine ausgelastet ist oder nicht.
Material und Lager: Rohlinge in allen Farben und Größen, dazu Kapital, das im Lager gebunden ist.
Ausschuss und Nacharbeit: Jede Arbeit, die nicht passt, kostet doppelt. Material und Zeit.
Personalzeit: Konstruktion, Nesting, Maschine bestücken, Nacharbeit, Qualitätskontrolle. Und zwar zum vollen Stundensatz, nicht zum Wunschwert.
Raum, Energie und Lizenzen: Der Fräsraum zahlt keine Miete? Doch, tut er. Genau wie Strom, Absaugung und die jährlichen Software-Updates.
Erst wenn alle diese Posten auf die Stückzahl umgelegt sind, kennst Du Deine Vollkosten. Und nur die darfst Du mit dem Partnerpreis vergleichen.
Was der Partner wirklich kostet
Beim Outsourcing-Partner ist die Rechnung kurz: Stückpreis plus Versand plus ein paar Minuten Koordination. Das war es. Keine Investition, keine Wartung, kein Lager, kein Ausschussrisiko. Das trägt alles der Partner.
Und warum kann der Partner günstiger fertigen als Du? Weil das sein Hauptgeschäft ist. Seine Maschinen laufen durch, er arbeitet mit den neuesten Geräten und er verteilt seine Kosten auf ein Vielfaches Deiner Stückzahlen. Diese bessere Marge gibt er zum Teil an Dich weiter.
Eine Beispielrechnung mit runden Zahlen
Bewusst vereinfacht, Deine echten Zahlen können abweichen. Eine monolithische Zirkonkrone:
Eigenfertigung: 8 Euro Material, 12 Euro anteilige Maschinenkosten (Abschreibung, Wartung, Fräser, Strom), 40 Minuten Arbeitszeit bei 65 Euro Stundensatz sind 43 Euro. Macht zusammen rund 63 Euro.
Partner: 40 Euro Stückpreis plus 3 Euro anteiliger Versand. Macht 43 Euro.
Das sind 20 Euro Unterschied pro Krone. Bei 50 Kronen im Monat sind das 1.000 Euro, Monat für Monat. Und in dieser Rechnung steckt noch nicht einmal das Risiko der nächsten Ersatzinvestition.
Die Kosten, die in keiner Tabelle stehen
Investitionsdruck: Alle paar Jahre steht die nächste sechsstellige Anschaffung an, denn die Technik veraltet immer schneller.
Fachkräftemangel: Rund 7.000 offene Stellen in der Branche. Jede Leistung, die Du auslagerst, macht Dich unabhängiger von einer Stelle, die Du ohnehin nicht besetzen kannst.
Auftragsspitzen: Der Partner fängt volle Wochen ab, ohne dass Dein Team Überstunden schiebt.
Deine Zeit: Jede Stunde an der Maschine ist eine Stunde, die Dir für Kunden, Team und Unternehmensführung fehlt.
So rechnest Du es für Dein Labor aus
Wähle zwei oder drei Leistungen, die viel Zeit fressen oder wenig Marge bringen. Alles unter 10 Prozent Marge ist ein heißer Kandidat.
Ermittle Deine Vollkosten je Leistung, mit allen Posten aus der Liste oben. Ehrlich, ohne Schönrechnen.
Hol Dir Angebote von zwei oder drei spezialisierten Outsourcing-Partnern ein.
Vergleiche den Deckungsbeitrag vorher und nachher. Ab 20 Prozent Marge bist Du richtig gut unterwegs.
Wichtig: Es geht nicht darum, alles abzugeben. Es geht darum, für jede Leistung bewusst zu entscheiden, wo sie am wirtschaftlichsten gefertigt wird. Das ist der Kern des hybriden Dentallabors.
Wenn Du tiefer einsteigen willst: Im großen Leitfaden Outsourcing im Dentallabor findest Du das komplette Bild. Ob sich für eine Leistung die eigene Maschine rechnet, klärt der Artikel Make or Buy im Dentallabor. Und wenn Du Deine eigenen Zahlen direkt durchrechnen willst: Genau dafür gibt es den Make-or-Buy-Rechner.
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